Vielleicht musst du nicht zurück zu dir – vielleicht musst du nur wieder anfangen, dich zu hören.
Manchmal gibt es diese Momente beim Wandern, in denen ich plötzlich merke, wie ruhig es in mir geworden ist.
Ich gehe. Schritt für Schritt. Der Atem wird gleichmäßiger. Der Blick geht weiter.
Vielleicht höre ich nur meine Schritte, den Wind oder irgendwo einen Vogel.
Und irgendwann stelle ich fest: Ich denke gerade gar nicht darüber nach, was noch alles zu tun ist.
Ich bin einfach da.
Eigentlich erstaunlich, oder?
Denn im Alltag ist das oft ganz anders.
Wir funktionieren. Wir erledigen. Wir planen. Wir kümmern uns. Wir sind für andere da. Wir haben Termine, Verpflichtungen und To-do-Listen.
Und irgendwann sitzen wir abends da und fragen uns vielleicht:
Was brauche ich eigentlich gerade?
Die Antwort darauf ist manchmal gar nicht so leicht.
Denn wir sind es gewohnt, nach außen zu schauen. Was ist noch zu tun? Was braucht meine Familie, meine Kinder? Was erwartet jemand von mir? Was sollte ich noch erledigen?
Und dabei wird die eigene Stimme immer leiser.
Nicht, weil sie nicht mehr da wäre.
Sondern weil wir aufgehört haben, ihr zuzuhören.
Wieder spüren, was da ist
Vielleicht ist genau das einer der Gründe, warum ich Yoga so liebe.
Für mich beginnt Yoga nicht erst mit der ersten Bewegung.
Es beginnt mit dem Moment, in dem ich innehalte.
Wie geht es mir gerade wirklich?
Wie fühlt sich mein Körper an?
Wie fließt mein Atem?
Bin ich müde? Angespannt? Unruhig? Brauche ich Bewegung oder eigentlich Ruhe?
Das klingt einfach. Und trotzdem ist es erstaunlich, wie selten wir uns diese Fragen im Alltag wirklich stellen.
Wir sind oft so sehr im Kopf, dass wir die Signale unseres Körpers erst wahrnehmen, wenn sie schon ziemlich laut geworden sind.
Ein verspannter Nacken.
Ein flacher Atem.
Schwere Beine.
Unruhe.
Unser Körper spricht ständig mit uns.
Die Frage ist nur: Hören wir hin?
Der Körper weiß oft früher Bescheid
Genau deshalb ist Yoga für mich viel mehr als Bewegung.
Es geht nicht darum, eine Position möglichst perfekt auszuführen oder besonders beweglich zu sein.
Yoga kann ein Weg sein, wieder Kontakt aufzunehmen.
Mit dem eigenen Körper.Mit dem Atem.Mit dem, was gerade da ist.
Manchmal spüre ich in einer Yogaeinheit plötzlich, wie viel Spannung ich eigentlich mit mir herumgetragen habe.
Oder ich merke, dass ich heute gar nicht mehr brauche, sondern weniger.
Weniger Tempo.Weniger Druck.Weniger Müssen.
Und manchmal ist genau das die Erkenntnis, die wir brauchen.
Auch die Berge erinnern mich daran
Beim Wandern erlebe ich etwas Ähnliches.
Ein Berg zwingt mich nicht dazu, schneller zu werden, nur weil jemand anderes schneller unterwegs ist.
Ich darf mein eigenes Tempo finden.
Ich darf stehen bleiben.
Ich darf eine Pause machen und einfach schauen.
Und manchmal wird gerade in diesen Momenten der Blick wieder weit.
Vielleicht ist das überhaupt eine schöne Erinnerung für unseren Alltag:
Wir müssen nicht ständig vorwärts.
Nicht jede Pause muss verdient werden.
Nicht jeder Tag muss produktiv sein.
Und nicht alles, was wir beginnen, muss sofort zu einem Ergebnis führen.
Manchmal dürfen wir einfach ein Stück gehen, ohne schon zu wissen, wo wir am Ende ankommen.
Du musst nicht jemand anderes werden
Vielleicht denken wir manchmal, wir müssten „wieder zu uns selbst finden“.
Aber vielleicht müssen wir gar nicht zurück.
Vielleicht sind wir die ganze Zeit da.
Unter all den Erwartungen.
Unter all den Aufgaben.
Unter dem Funktionieren.
Unter dem „Ich sollte noch …“.
Vielleicht müssen wir nur wieder anfangen, uns zu hören.
Die leise Stimme, die sagt:
Das tut mir gut.
Das ist mir gerade zu viel.
Ich brauche eine Pause.
Ich möchte raus.
Ich möchte mich bewegen.
Ich möchte einfach einmal nichts müssen.
Diese Stimme ist nicht egoistisch.
Sie erinnert uns daran, dass auch wir selbst Teil unseres Lebens sind.
Ein kleiner Moment für dich
Vielleicht möchtest du heute einmal zwei Minuten dafür nehmen.
Setz dich hin. Oder geh ein paar Schritte nach draußen.
Leg eine Hand auf deinen Bauch und atme ganz bewusst ein und aus.
Und dann frage dich:
Wie geht es mir gerade wirklich?
Nicht: Wie sollte es mir gehen?
Nicht: Was müsste ich jetzt eigentlich noch schaffen?
Sondern einfach:
Wie geht es mir?
Und dann hör für einen Moment zu.
Du musst die Antwort nicht sofort lösen.
Du musst nichts verändern.
Vielleicht reicht es schon, sie wahrzunehmen.
Denn manchmal beginnt genau dort etwas ganz Wesentliches:
Wir kommen nicht zurück zu uns.
Wir hören einfach wieder auf, uns selbst zu übergehen.
Und vielleicht ist das genau das, was wir manchmal brauchen:
keinen neuen Plan, kein neues Ziel, keine weitere Aufgabe.
Sondern einen Moment zum Atmen.
Einen Moment zum Spüren.
Einen Moment, in dem wir wieder hören, was in uns längst da ist.
Vielleicht brauchst du heute gar nicht mehr.
Vielleicht brauchst du nur einen Moment zum Innehalten, zum Spüren und zum freien Atmen.
Alles Liebe, Sonja



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